Jan (26), Andi (27) und Ruwen (28) studieren im gleichen Semester Grafikdesign und seit einigen Monaten teilen sie sich auch mehr als nur Stifte und Fonts. Sie leben in einer männlich-harmonischen Wohngemeinschaft
Was die Jungs so an Erfahrungen gesammelt und an nützlichen Tipps zu berichten haben, das haben sie unserem Redakteur David erzählt.
Wir sind also zu Gast bei den drei Freunden in der schönen, geräumigen Vier-Zimmerwohnung. Zu trinken gibt es Brennnesseltee mit einem Löffel Zucker.
Andi hat den größten Platz von allen, Jan und Ruwen teilen sich ungefähr das gleiche Maß an Wohnraum, den sie jetzt ihre Privatsphäre nennen können. Das heißt auch, dass Andi nach Adam Riese den größten Batzen an Miete zu zahlen hat. Das Bad der Männer ist ziemlich klein und rosa, im Gegensatz zur Küche, die ist grün und groß und verfügt sogar über einen begehbaren Mülleimer – den Balkon... Im Wohnzimmer dient ein ehemaliger Scheinwerfer einer Boeing als Tisch. Die Flugsicherheit ist also auch im trauten Heim gewährleistet.
Herren-WG? Nein danke!
Als die drei Freunde vor circa einem halben Jahr dort einzogen, verlief nicht alles so locker und lässig, wie sie es sich damals erhofft hatten. Acht Monate hat es gedauert, die passende Bude zu finden – und achtzehn Besuche bei Wohnungs- und Hausbesitzern, die fast allesamt kopfschüttelnd genickt haben, nur um zu sagen: „Wir bedauern Ihnen sagen zu müssen, dass wir leider keine männlichen Wohngemeinschaften in diesem Hause zulassen können.“ Warum, das haben sie nicht gesagt. Es kann also manchmal ganz schön schwer sein, in einer Studentenstadt eine männliche Studentenwohngemeinschaft zu begründen.
„Eine Bedingung, beziehungsweise eine zwischenmenschliche Einigung damals vor Einzug war, dass wir die Hausmeisterei übernehmen. Das sind kleinere Jobs, wie mal nach dem Rechten sehen, Hof, Treppenhaus, Mülltonnen und Gartenbereich sauber halten oder auch mal was größeres, wie kleine Reparaturen durchführen oder im Winter Schnee schaufeln.“
Unsere kleine Farm
„In den meisten Wohngemeinschaften hängen Putzpläne und Einkauflisten am Kühlschrank, wir haben darauf aus gestalterischen Gründen verzichtet. Ernsthaft – wir arrangieren und ergänzen uns da meist ganz gut: Wer es dreckig findet, putzt, und wer Hunger hat, kocht, – und das ist meistens Ruwen, der durch seine Berührung mit Asien zu einem großartigen Koch geworden ist. Meist essen wir nicht gemeinsam und jeder schmiert sich sein eigenes Brot, aber das ist eher durchs Studium bedingt. Tagsüber schlafen wir und besuchen Vorlesungen, während wir nachts arbeiten und feiern.“
„Es ist klar, dass wenn man in einer Gemeinschaft lebt, jeder auch ein paar Leute kennt, die wieder jemanden mitbringen, und so weiter. Dann kann es mal passieren, dass es über 60 Leute in einer Vier-Zimmerwohnung krachen lassen“.
Such-Taktik
„Wir haben uns über das Studium kennen gelernt und haben es einfach darauf ankommen lassen. Ruwen war noch in Übersee, als wir die großen Pläne in die Tat umsetzten. Als da wären Internetrecherche, Zeitungen nach Annoncen durchsuchen und auch selbst Gesuche inserieren – welche sich als ganz hilfreich erweisen sollten, weil sich Vermieter oft, vor dem unangenehmen Andrang auf ihre Telefonleitung, selbst in der öffentlichen Presse über mögliche Mieter informieren. Es kommt stark darauf an, wie man die Gesuche formuliert und welches Vertrauen man vermittelt. Alles muss sich natürlich dann beim ersten persönlichen Treffen bestätigen und sollte nicht gelogen, sondern nur schön ausgeschmückt sein.“
Achtung Frauen! Gebt bei Anzeigen nicht euren Namen an, besser nur die Email-Adresse. Und wenn ihr ein ungutes Gefühl beim Vermieter habt, dann geht auf jeden Fall nur in Begleitung zum Besichtigungstermin. Es gibt auch die Möglichkeit, kostenlos zu inserieren. In Regional- oder Studentenzeitungen – und eben im Internet. Auch schwarze Bretter sind nicht zu verachten. Ein origineller, sympathischer Aushang kann manchmal fast die halbe Miete sein.
Falls die Fete aber doch mal den Rahmen sprengen sollte und etwas zu Bruch geht, ist es sehr ratsam, wenn wenigstens einer der Bewohner eine Hausratsversicherung hat.
„Möchtest du noch einen Keks zu deinem Tee?“


