Die Chance...
Klar, dass ich nicht nein sage, als im Nebengebäude eine 1 ½ - Zimmer Wohnung frei wird und meine Eltern mich fragen, ob ich dort einziehen will. Habe ich da richtig gehört? Bekomm ich grad die Chance, in meine eigene Bude zu ziehen? Das muss wohl ein Traum sein... aber spätestens beim ersten Betreten meiner neuen, eigenen Wohnung spüre ich diesen unnachahmlichen Hauch der Freiheit und komme sofort zu dem Entschluss, dass das wohl die leckere Realität ist! Hier werd ich also meine Ruhe genießen oder laut Musik hören, heiße Parties oder ruhige Videoabende veranstalten, lecker Essen kochen oder einfach nur Pizza-Service kommen lassen... an dieser Stelle alles aufzuzählen, was mir in jenem Moment durch den Kopf gegangen ist, würde wohl den Rahmen sprengen. Natürlich kommt auch ein klein wenig Ungewissheit auf, ob ich überhaupt erst mal allein alles bewältigen kann. Waschen, Putzen, Kochen... da kommt wohl so einiges auf mich zu: Wie funktioniert das eigentlich mit dem Staubsaugen? Wie lange brauchen Spaghetti, bis sie al dente sind? Was war scheuern noch mal? Naja, wenn das alles so einfach geht wie in den diversen Werbungen beschrieben, sollte das kein Problem sein. Ich hab ja immer aufgepasst!
Freiheit pur...
Trotz alldem spüre ich eine kleine Portion Unsicherheit, die sich einfach nicht vertreiben lassen will. Alles halb so schlimm, denke ich mir, schließlich wohnt Mutti ja noch auf der anderen Straßenseite! Und die ist natürlich, nachdem jetzt einige Jahre seit Einzug vorbei sind, ins Haushaltsgeschehen voll eingespannt. Der Wäschekorb wird von mir bis unter den Deckel gefüllt, einmal pro Woche kommt dann die Abholung und ein paar Tage danach habe ich schon wieder frische Kleidung vorm Schrank stehen, das Einräumen darf selbstverständlich ich übernehmen. Beim Thema Saubermachen und Aufräumen habe ich die Oberhand. OK, ich gebe zu, ein Staubsauger ist ja auch einfacher zu bedienen als eine Waschmaschine. Immer am extra eigens dafür eingerichteten Samstagmorgen wird das Staubwedel geschwungen und der Sauger durch die Zimmer gejagt. Zusammen mit guter Musik macht Putzen richtig Laune! Wenn der kleine Hunger kommt, reicht ein Griff in den Kühlschrank. Einen Ruf als 4-Sterne-Starkoch habe ich ja nicht gerade, umso besser, dass die wohlige elterliche Spitzenküche jederzeit offen steht, um mich mit kulinarischen Genüssen zu verwöhnen.
Einfach nur zurücklehnen...
Mit die größten Vorteile einer eigenen Bude sind die nahezu unbegrenzten Rückzugsmöglichkeiten. Die Strapazen des Alltags werden einfach an der Türe abgegeben. Sich ganz gechilled auf dem Sofa breit machen, gute Musik auflegen und womöglich noch an einem schmackhaften Drink schlürfen, ist das nicht der perfekte Ausklang eines stressigen Tages? Und ich brauche mir keine Sorgen zu machen, dass plötzlich die Tür aufgeht und irgendeiner was von mir will. Ebenso kann man in Ruhe arbeiten, es sei denn, man hat eine nervige Großfamilie als Nachbarn. Hier ein Tipp: wer plant, in eine eigene Bude zu ziehen, sollte auch das Umfeld genau unter die Lupe nehmen!
So entsteht also eine wunderbare Konstellation aus jugendlicher Aufbruchstimmung zur Selbstständigkeit und elterlicher Fürsorgepflicht, die ich natürlich gern annehme. Denn was gibt es schöneres, als Sonntag Mittag völlig versifft von der letzten ausufernden Partynacht aufzukreuzen, um ein leckeres warmes Essen zu genießen?
Wer also diese und andere Hilfestellungen nutzen kann, dem rate ich es auch zu tun!


