Altersgerechter Wohnraum wird seit Jahren zunehmend nachgefragt, der Bedarf übersteigt das Angebot bei weitem. Die Landesbausparkasse (LBS) Hessen-Thüringen sieht heute schon einen qualitativen Wohnraummangel für die älteren Generationen, der vom demografischen Wandel künftig noch verschärft wird. Daher widmete sie das 14. Erfurter Baugespräch dem Thema „Bau-Konzepte 60 plus – Altersgerechtes Bauen, Wohnen, Leben“.
Großes Potenzial bei altersgerechtem Wohnen
Rund 90 Teilnehmer aus der Bau- und Wohnwirtschaft, dem Sozialbereich sowie der Kommunal- und Landespolitik des Freistaats Thüringen diskutierten über die Folgen des demografischen Wandels für das Land. Christian Carius MdL, Thüringer Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, referierte in seinem Vortrag „Nachhaltig denken, demografieorientiert fördern“ über die Fördermöglichkeiten des Landes. „Wohnungspolitik muss demografieorientiert sein. Sonst hieße das, das Geld gleich aus dem Fenster zu werfen,“ brachte er die Problematik auf den Punkt.
Marktpotenzial der Älteren
Peter Marc Stober, Sprecher der LBS-Geschäftsleitung, erläuterte die mit der Bevölkerungsentwicklung verbundenen Chancen: „Architekten, Handwerker und Wohnungsbaugesellschaften bietet sich hier ein Tätigkeitsfeld mit enormem Potenzial. Die älteren Generationen investieren jährlich 45 Mrd. Euro in die Modernisierung ihrer Wohnung oder ihres Eigenheims. Das ist ein enormes Marktpotenzial.“
Kernstädte als Gewinner der Entwicklung
Unter den Aspekten Demografie und Wohnen im Alter befasste sich Dr. Jan Steinhaußen, Wissenschaftlicher Leiter des Soziokulturellen Forums der Marie-Seebach-Stiftung, mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Stadtentwicklung. „Thüringen wird 2020 mit Sachsen und Sachsen-Anhalt die älteste Bevölkerung in Deutschland haben. Die Kernstädte werden tendenziell gewinnen, der ländliche Raum eher an Bedeutung verlieren. Das Problem sinkender Einwohnerzahlen im Freistaat und die Zunahme der Wohnungsleerstände gefährdet die soziale Stabilität und Funktionsfähigkeit der Städte“, fasste der Experte zusammen.
Gemeinsamer Kraftakt
Werner Hoffmann, Mitglied der LBS-Geschäftsleitung, appellierte an die Anwesenden: „Man kann den Wunsch nach dem Leben in vertrauter Umgebung einen „Elementarwunsch“ nennen, ähnlich wie den Wunsch der meisten Menschen nach Wohneigentum. Das zu ermöglichen ist die Aufgabe von allen Akteuren, die sich mit dem Thema altersgerechtes Wohnen beschäftigen, und nicht zuletzt von Immobilienfinanzierern.“ Ein gelungenes Praxisbeispiel zum gemeinschaftlichen Wohnen – „Gemeinsam statt einsam – Generationswohnen in Arnstadt-Ost“ – stellte Dipl. Ing. Andreas Adolf vor, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Arnstadt.
Bei der anschließenden Diskussionsrunde ergänzten Marina Heller, Vorstandsvorsitzende der Rhön-Rennsteig Sparkasse, und Jens Lönnecker, Architekt und Initiator des Projekts „Wohnen in der Schule in Suhl“, das Podium neben den Referenten. Alle waren sich in der Debatte einig, dass man privat stärker vorsorgen muss und der Staat bei Unterstützung und Förderung nicht nachlassen darf, um den finanziellen Kraftakt des altersgerechten Bauens, Wohnens, Lebens zu bewältigen. Vor allem anderen aber müssen die Kommunen in der Lage bleiben, zu investieren und ihre Aufgaben zu erfüllen.
Diskutierten engagiert (v.l.): Werner Hoffmann (LBS-Geschäftsleitung), Dr. Jan Steinhaußen (Soziokulturelles Forum), Marina Heller (Rhön-Rennsteig Sparkasse), Moderatorin Birgit Schindler (mdr), Jens Lönnecker (Architekt) und Minister Christian Carius.
Referenten und Diskutanten (v.l.):
Werner Hoffmann (LBS-Geschäftsleitung), Dr. Jan Steinhaußen (Soziokulturelles Forum), Andreas Adolf (Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Arnstadt), Moderatorin Birgit Schindler (mdr), Marina Heller (Rhön-Rennsteig Sparkasse), Jens Lönnecker (Architekt) und Peter Marc Stober (Sprecher der LBS-Geschäftsleitung).
Die Vorträge
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