Energiewende stellt Wohnungsmarkt vor große Herausforderungen
- LBS: Hausbesitzer müssen in NRW 200 Mrd. Euro investieren -
13.10.11 Münster (LBS). Die bevorstehende Energiewende bringt auch große Veränderungen für den Wohnungsmarkt. „Allein in NRW gibt es rund 4,4 Mio. Wohnungen ohne ausreichenden Wärmeschutz“, rechnet LBS-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard Schlangen vor. Für deren Nachrüstung nach den neuen politischen Vorgaben sind von den Wohnungsbesitzern bis 2050 mindestens 200 Mrd. Euro zu investieren. Weiterhin müssen die Wohnungen dem Bedarf der alternden Bevölkerung angepasst werden: Maximal fünf Prozent sind bisher barrierearm ausgestattet. „Um möglichst viel privates Kapital zu aktivieren, muss sicher zunächst ein Bewusstseinswandel in der Bevölkerung eingeleitet werden. Um diesen zu unterstützen, sollten die diskutierten staatlichen Impulse wie beispielsweise steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten schnell umgesetzt werden“, so Schlangen. Für Vermieter rechneten sich die hohen Investitionen bisher nur an exponierten Lagen. Allerdings hätten auch die Mieter durch ihr Nutzerverhalten großen Einfluss auf die Nebenkosten.
Über den Neubau erfolgt die Erneuerung des Immobilienbestandes nur sehr langsam. Im laufenden Jahr werden voraussichtlich rund 37.000 neue Wohnungen fertiggestellt, das entspricht nicht einmal einem halben Prozent der 8,6 Mio. NRW-Wohnungen.
Immerhin ist die Trendwende im Neubau geschafft. Gegenüber dem historischen Tiefststand von 2009 beträgt der Zuwachs 5.000 Wohnungen. Im Vergleich zu anderen Flächenländern ist die Steigerung der Baugenehmigungen per Ende Juli mit 5,3 Prozent allerdings weiter schwach – in Bayern sind es 27 Prozent, in Niedersachsen sogar 37 Prozent.
In der Nachfrage nach Wohnimmobilien spiegeln sich die neuen Qualitätsanforderungen schon heute wider. Besonders gesucht sind laut Immobilienexperten von Sparkassen und LBS jüngere energiesparende Eigenheime sowie Erdgeschosswohnungen oder barrierearme Wohnungen. Bei Elektroheizung oder Lagen weitab jeder Infrastruktur wird die Vermarktung dagegen zunehmend schwierig.
Die Sensibilität der Bürger für die hohen Energiekosten ist wegen der vergangenen harten Winter deutlich vorhanden. Laut der LBS-Repräsentativbefragung „Wohnwünsche NRW 2011“ wollen 95 Prozent bei der Suche nach der nächsten Wohnung vor allem auf den Energieverbrauch achten. Erst auf den Plätzen 2 und 3 folgen Wünsche wie Terrasse/Balkon (90 %) oder nach einem Bad mit Tageslicht (81 %). Darüber hinaus hat fast 50 Prozent der Haushalte, die in den nächsten Jahren umziehen wollen, den künftigen Bedarf einer barrierearmen Wohnung für sich erkannt.
Positive Rahmenbedingungen für das Wohneigentum
Die Rahmenbedingungen für die eigenen vier Wände sind weiter äußerst positiv. Neben extrem niedrigen Zinsen und steigenden Reallöhnen spielt die Suche nach Stabilität von Vermögenswerten eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für die Wohnimmobilie. Immer mehr Menschen können sich deshalb nicht nur Wohneigentum, sondern auch die Immobilie als Anlageobjekt vorstellen. Schlangen: „Neben dem emotionalen Faktor, der eigene Herr im Haus zu sein, ist die private Altersvorsorge dabei der wesentliche Treiber.“
Eine sehr dynamische Entwicklung gibt es bei den Gebrauchtimmobilien. Gegenüber 2010 wechseln bis zum Jahresende mit rund 160.000 Wohnungen 17.000 mehr den Besitzer. Neben der Suche nach „Betongold“ spielt dabei auch ein gewisser Vorzieheffekt durch die Erhöhung der Grunderwerbsteuer eine Rolle. Eng wird es vielerorts auf dem Mietmarkt. Aus praktisch keiner Region melden die Immobilienvermittler von LBS und Sparkassen Mietpreisrückgänge, im Gegenteil: In weiten Teilen NRWs müssen Mieter tiefer in die Tasche greifen.
LBS West: Bausparen bleibt in Krisenzeiten attraktiv
Die Attraktivität der eigenen vier Wände als Altersvorsorge, die Krisenunabhängigkeit des Bausparens und das daraus resultierende Vertrauen der Kunden führen bei der LBS West zu guten Geschäftszahlen. So stieg das Brutto-Neugeschäft in den ersten drei Quartalen um über 4 Prozent auf 7,1 Mrd. Euro. Zweistellige Zuwachsraten gibt es vor allem bei den unter 35-Jährigen. Diese entdecken das Bausparen als sicheren Weg in die eigene Immobilie neu. Entsprechend hoch ist mit 1,4 Mrd. Euro der Spargeldeingang. Und das Riester-Bausparen hat im Sommer den Sprung an die Spitze der beliebtesten Riester-Produkte geschafft. „Mit 64 Prozent ist die LBS West unangefochtener Marktführer in diesem Segment“, so Schlangen.
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