Sind Treppen ohne Geländer zulässig?

Treppengeländer dienen als Absturzsicherung – doch moderne Treppen werden oft ohne gebaut. Welche Vorschriften gibt es?

Nicola Enderle

Treppen sind dort notwendig, wo zwei Stockwerke miteinander verbunden werden müssen. Das Treppengeländer dient dabei in erster Linie als Absturzsicherung. Doch immer öfter werden moderne Treppen ohne Geländer geplant und eingebaut – sie sollen „schweben“, luftig leicht und elegant wirken. Die Funktionalität wird zugunsten der Optik verschoben – doch ist eine Treppe ohne Absturzsicherung überhaupt erlaubt?


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© Architekturfotografie ADRIAN SCHULZ

Welche Vorschriften für Treppengeländer gibt es?

Im öffentlichen Raum werden beidseitige Handläufe für Treppen mit mehr als drei Stufen in fast allen Landesbauordnungen (auf Basis der DIN 18065) gefordert. „Rechtlich ist die DIN aber nur eine Empfehlung, die im Ernstfall keine Gültigkeit hat. Verbindlich ist ausschließlich die Landesbauordnung. Da die Landesbauordnung in jedem Bundesland etwas anders ist, sollte man immer klären, wo die Treppen tatsächlich eingebaut werden“, so Treppenbauer Jörn Brenscheidt von Hokon . „Bei Treppen in Wohnhäusern achten wir aber nur auf die Geländerhöhen (zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen 9 bis 12 Meter, Hessen ein bis 12 Meter Absturzhöhe). Was die Standsicherheit betrifft, gilt die allgemeingültige bauaufsichtliche Zulassung.“


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Was heißt das für die Absicherung von Treppen in Privathäusern?

Für Treppenbauer , Architekten und Hersteller gibt es in privaten Bauten insofern keine allgemein gültigen Regeln. Vor einem Neu- oder Umbau muss daher immer eine Prüfung der ortsspezifischen Regeln erfolgen, da sich die Detailregelungen der Länder unterscheiden. Bauämter vor Ort können Auskunft geben. „Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass man in privaten Einfamilienhäusern machen kann was man will. Es sind zwar in der DIN mittlerweile einige Punkte zum Geländer so beschrieben, dass sie viel Raum für Spekulationen zulassen, aber dass eine Absturzsicherung Pflicht ist, gehört nicht dazu“, so Brenscheidt. Ausnahme: „Wenn die Treppe zwischen Wänden verläuft brauchen Sie natürlich auch keine Geländer mit Stäben und Pfosten, sondern nur einen Wandhandlauf.“


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Was ist bei Treppengeländern zu beachten, wenn kleine Kinder mit im Haus leben?

Die DIN 18065 beschreibt in Ziffer 6.9.3: „In Gebäuden, in denen mit der Anwesenheit von unbeaufsichtigten Kleinkindern zu rechnen ist, sind Treppengeländer so zu gestalten, dass ein Überklettern des Treppengeländers durch Kleinkinder erschwert wird. Dabei darf der lichte Abstand von Geländerteilen in einer Richtung nicht mehr als 12 Zentimeter betragen. Dies gilt nicht für Wohngebäude mit mehr als zwei Wohnungen.“

Man geht hier also davon aus, dass eine Treppe mit Geländer zwar sinnvoll wäre, überlässt den Planern, Bauherren und Herstellern jedoch letztlich die gestalterische Freiheit, da der Gesetzgeber den privaten Freiraum nicht übermäßig einschränken will. Dann hat die DIN 18065 eher Empfehlungscharakter.


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Ein gutes Beispiel?

In diesem Einfamilienhaus in Essen führt eine Stahltreppe ohne Geländer, aber mit Handlauf an der Wand, unters Dach. „Manch einer findet sie sicherlich nicht sehr kindgerecht. Aber aus eigener Erfahrung, denn auch wir haben so eine Treppe zuhause, kann ich sagen: Kinder lernen schnell im Alltag und stoßen sich eigentlich nie den Kopf an den Kanten oder rutschen durch die Öffnungen“, sagt Architekt Martin Falke.

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Die langfristige Planung ist wichtig

„Eine Treppe bringt immer Gefahren mit sich. Eine kleine Unachtsamkeit und man kann zum Beispiel ausrutschen oder nach einem Fehltritt stürzen. Passiert dies einem Besucher oder Handwerker etc. wird der Bauherr haftbar gemacht. Aber auch der Hersteller kann im Schadensfall herangezogen werden“, antwortet der Experte zum Thema Lifestyle-Treppen auf eine Frage in unserer Wohn-Community .

Zudem sollte bei der Treppenplanung unbedingt bedacht werden, ob alte Menschen im Haushalt leben (werden) und ein Geländer zur Sicherheit und einen Handlauf zum Abstützen benötigen. Auch für jüngere Bauherren gilt: Wer baut, plant meistens langfristig. Bevor Sie also eine Treppe ohne Absturzsicherung einbauen, sollten Sie überlegen, ob und wie Sie die Treppe gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Geländer nachrüsten können.

Wenn Sie auf den luftigen Look nicht verzichten möchten, kann auch ein Geländer aus Glas , Stahlseilen oder Netzen eine gute Alternative sein.


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Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht auf Houzz .