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26.09.2007 - bundesweit - LBS Kinderbarometer

LBS-Kinderbarometer: Gute Ernährung – gesündere Kinder

Eine Zweidrittelmehrheit der Kinder in Deutschland hält sich körperlich für fit (65 Prozent). Allerdings fühlt sich auch ein Drittel der Neun- bis Vierzehnjährigen manchmal bzw. häufiger krank, nicht zuletzt wegen ungesunder oder einseitiger Ernährung. Das ergab das LBS-Kinderbarometer Deutschland unter Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, das jetzt in Berlin vorgestellt wurde.

In der für Deutschland repräsentativen Studie stehen die Themen Gesundheitsbewusstsein und das Ernährungsverhalten der Kinder im Vordergrund. Das LBS-Kinderbarometer greift damit u.a. die aktuelle Diskussion zu übergewichtigen und unter Bewegungsarmut leidenden Kindern auf. Dabei stellt es fest, dass sich die meisten Kinder wohl fühlen.

„Dass der Großteil der Kinder zufrieden mit seinen Lebensbedingungen ist, ist eine schöne Nachricht. Alarmieren muss uns aber, dass heute in Deutschland bereits jeder dritte Jugendliche übergewichtig, vier bis acht Prozent der Schulkinder sogar fettsüchtig sind. Meist liegen die Wurzeln dafür in den ersten Lebensjahren, wenn die Grundlagen für gesunde Ernährung und Freude an der Bewegung gelegt werden. Gut geschulte Erzieher, verantwortungsbewusste Lehrer und vor allem Eltern, als Vorbilder, die selbst die Finger von Chips und Fast-Food lassen, können in dieser Zeit entscheidende Weichen für einen gesunden Lebensstart ihrer Kinder stellen“, sagt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen.

Bei einem Viertel der Kinder kann man von multiplen Belastungen sprechen: Sie fühlen sich häufig krank, ernähren sich in der Regel schlechter als ihre Altersgenossen und treiben weniger Sport. In dieser Risiko-Gruppe haben 37 Prozent Allergien und sogar 42 Prozent Stresskopfschmerzen. Fast zwei Drittel (64 Prozent in dieser Gruppe) empfinden sich als zu dick. Zudem weisen sie in allen Bereichen ein deutlich niedrigeres Wohlbefinden auf.

Zusammenhang von Gesundheit und Ernährungsverhalten

Die Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und allgemeinem Krankheitsempfinden: Demnach fühlen sich Kinder häufiger krank, die oft zu Chips, Kuchen und Fast Food greifen. Ebenfalls einen deutlichen Zusammenhang zeigt sich bei Kindern, die in der Vergangenheit bereits eine Diät zum Abnehmen gemacht haben: auch sie meinen, öfter krank zu sein.

Bei den Ernährungsgewohnheiten lässt sich allgemein ein recht hohes Gesundheitsbewusstsein feststellen. So essen rd. 69 Prozent oft oder sehr oft Obst – lediglich bei 7 Prozent gehört es selten oder nie zum Speiseplan. Mehr als die Hälfte der Kinder isst oft oder sehr oft Gemüse, allerdings auch jedes fünfte Kind (20 Prozent) selten oder nie. Fleisch lehnen 16 Prozent und Fisch 13 Prozent aller Kinder ab. Beliebt ist Fast Food: Rund 22 Prozent greifen nach eigener Aussage oft bis sehr oft zu Pommes und Pizza.

„Bei den Ernährungsgewohnheiten spielen die Erwachsenen eine wesentliche Rolle“, erläutert Professor Dr. Wassilios E. Fthenakis, wissenschaftlicher Sprecher der LBS-Initiative Junge Familie. „Wenn die Eltern nicht auf die Ernährung ihrer Kinder achten, selbst kein gutes Beispiel abgeben und das Thema in den Schulen nicht angesprochen wird, dann schlägt sich dies auf das Körperempfinden der Kinder nieder. Kinder fühlen sich dann häufiger übergewichtig und krank.“ Der Familienforscher forderte deshalb die Übernahme von Verantwortung für die eigene Gesundheit als Bildungsdimension in die neuen Bildungspläne auszuweisen. „Nur so können wir das individuelle Gesundheitsrisiko und die gesamtgesellschaftliche Belastung reduzieren“, erklärt Fthenakis.

Auf der anderen Seite treiben Kinder häufig Sport, denn der ist bekanntlich gesundheitsfördernd. Fast alle bewegen sich mindestens einmal in der Woche beim Schulsport, darüber hinaus sind 69 Prozent in Sportvereinen aktiv. Doch auch ohne Institutionen lässt sich Sport treiben: 83 Prozent spielen mindestens einmal wöchentlich Fußball, skaten oder fahren Rad.

Häufigste Erkrankung: Stress-Kopfschmerzen

Kinder aus von Arbeitslosigkeit betroffenen Familien fühlen sich öfter krank als ihre Altersgenossen aus Elternhäusern, in denen Vater und Mutter einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Insgesamt sind die häufigsten Erkrankungen des Nachwuchses Stress-Kopfschmerzen (33 Prozent) und Allergien (28 Prozent), wobei Heuschnupfensymptome mit 12 Prozent zu Buche schlagen. Auch stressbedingte Bauchschmerzen machen jedem fünften Kind (22 Prozent) zu schaffen. Es fällt auf, dass Stress-Kopfschmerzen bei Mädchen häufiger auftreten als bei Jungen (40 bzw. 27 Prozent).

Paula Honkanen-Schoberth, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Kooperationspartner der LBS-Initiative Junge Familie zieht aus diesen Ergebnissen den Schluss: „Mehrheitlich beurteilen die Kinder in den untersuchten Altersgruppen ihre Lage ganz positiv, aber wir haben viel zu viele junge Menschen, nämlich 25 bis 30 Prozent, die sich in ihrem Wohlbefinden aus unterschiedlichen Gründen stark beeinträchtigt fühlen. Diese Gruppe und ihre Eltern brauchen auf allen Ebenen eine besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung“.

Das „LBS-Kinderbarometer Deutschland 2007“ ist die größte Studie ihrer Art. Erstmals wurde sie 1997 in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Seither nahmen mehr als 24.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren daran teil. Die aktuelle Ausgabe basiert auf einer für Deutschland repräsentativen Befragung von 6.200 Kindern in sieben Bundesländern. Die Studie, deren Ziel es ist, eine Plattform für die Meinungen, Einstellungen, Wünsche und Ängste der Kinder in Deutschland zu schaffen, wird vom PROSOZ Herten ProKids-Institut, durchgeführt.


Kontakt

LBS Landesbausparkassen
Dr. Christian Schröder

Telefon: 0251 412-5125

christian.schroeder@lbswest.de