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Kinder wollen in der Politik mitreden – Erwachsene müssen Macht abgeben

17.10.2016 - LBS Kinderbarometer

LBS-Kinderbarometer, Shell-Jugendstudie und die AID:A-Studie des Deutschen Jugendinstituts weisen seit Jahren ein hohes Interesse der jungen Generation am Geschehen in der eigenen Umgebung nach. Zudem ist die Neugier auf das Leben und Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern in anderen Ländern groß. Allerdings fühlen sich die Kinder häufig von den Erwachsenen nicht mitgenommen.

So zeigt das aktuelle LBS-Kinderbarometer, dass über die Hälfte der Neun- bis Vierzehnjährigen sich an der politischen Meinungsbildung in ihrer Umgebung beteiligen wollen. Bei Entscheidungen auf europäischer Ebene ist es immerhin noch ein Drittel. Aber nur jedes zweite Kind in Deutschland fühlt sich von den Entscheidern vor Ort ernst genommen. "Dabei hat die Einbindung von Kindern in lokale Entscheidungsprozesse direkte Effekte auf das Wohlbefinden der Kinder", bekräftigt Projektleiterin Dr. Kathrin Müthing von PROKIDS.

Auch die Shell-Studie erkennt grundsätzlich ein steigendes Interesse an politischen Prozessen in der Altersgruppe der Zwölf- bis Vierzehnjährigen. Von einer gänzlichen Politikverdrossenheit könne hier keinesfalls gesprochen werden. Allerdings gebe es ein hohes Misstrauen gegenüber den etablierten Parteien. "Die Bedürfnisse der Jugendlichen werden dort offensichtlich nicht altersgerecht aufgegriffen", so die Erfahrung von Professor Klaus Hurrelmann. Das scheitere oft schon an der unterschiedlichen Sprache. Zudem hätten Jugendliche ein ganz anderes Zeitverständnis: "Die wollen nicht sieben Jahre warten, bis ein Beschluss umgesetzt ist, da zählen schnelle Erfolgserlebnisse."

Die AID:A-Studie des Deutschen Jugendinstituts bestätigt die kritische Einstellung der 16- bis 29-Jährigen gegenüber der konventionellen Parteienpolitik. "Stattdessen gibt es eine zunehmende protest- und aktionsorientierte Beteiligung der Jugendlichen", so Professor Bernhard Kalicki. Als Verstärker für die Beteiligung an Protestaufrufen oder Kaufboykotten spielen die neuen Möglichkeiten des Internets eine wichtige Rolle.

Friedhelm Güthoff vom Kinderschutzbund appelliert daher an Politik und Parteien, sich für Ideen junger Menschen und ihre Art der Beteiligungswege stärker zu öffnen: "Wir müssen offener werden für junge Menschen, denn es wäre eine vertane Chance, Kinder als Impulsgeber nicht einzubeziehen." Letztlich müsse der Anspruch auf Beteiligung verbindlich vereinbart werden – von der Gemeindeordnung bis hin zur Verfassung. Spätestens hier wurde in der Diskussion ein Interessenkonflikt sehr deutlich: Wer Kindern Macht gibt, muss selbst auf Einfluss verzichten.

Auch Professor Rita Süssmuth sieht die große Diskrepanz zwischen dem, was Kinder wollen, und dem, was tatsächlich in der Politik ankommt. "Wir müssen altersgerechte Strukturen schaffen, um eine gelingende Partizipation zu ermöglichen." Die Alt-Bundestagspräsidentin verglich den langen Weg dahin mit dem immer noch anhaltenden Kampf um die Rechte der Frauen.


17.10.2016 - LBS Kinderbarometer

Weitere Informationen

Bildmaterial und die Pressemitteilung können Sie hier herunterladen: www.lbs-kinderbarometer.de

Über das LBS-Kinderbarometer

Das LBS-Kinderbarometer befragt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kinderschutzbund regelmäßig über 10.000 Kinder im Alter zwischen 9 und 14 Jahren (Klasse 4 bis 7 aller Schulformen) nach ihrer Meinung. Start war 1997 in NRW, seit 2007 sind alle Bundesländer vertreten, Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Das LBS-Kinderbarometer folgt Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention "Berücksichtigung des Kinderwillens". Es wird vom PROKIDS-Institut Herten durchgeführt.


Material zum Download

Kontakt

LBS Landesbausparkassen
Dr. Christian Schröder

Telefon: 0251 412-5125

christian.schroeder@lbswest.de