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Deutscher Wohnungsbau bleibt in Europa zurück

13.03.2010 - LBS Research

Schweiz erstmals an der Spitze – Fünf weitere Nachbarn bauen mehr als doppelt so viel wie Deutschland – Einbruch in Spanien und Irland um 80 Prozent seit 2008

BERLIN – Die Finanzkrise hat den Wohnungsneubau in vielen Ländern gründlich durchgerüttelt, doch Deutschland behält im sechsten Jahr in Folge in Europa den letzten Tabellenplatz. Wie LBS Research auf Basis der aktuellen Bauprognose von Euroconstruct mitteilt, entstehen 2010 beim neuen Spitzenreiter Schweiz mit 6,3 Einheiten pro 1.000 Einwohner fast viermal so viele Wohnungen wie in Deutschland mit 1,7. Fünf weitere Nachbarn folgen mit Werten zwischen 4,9 und 3,9 (vgl. Grafik). Dies belegt neben den jüngsten Bedarfsprognosen zusätzlich die immer noch vorhandenen Defizite im deutschen Neubau.

Die LBS-Experten erinnern daran, dass die Situation Mitte der 90er Jahre noch ganz anders war. 1996 lag Deutschland mit 6,8 Fertigstellungen pro 1.000 Einwohner unmittelbar hinter Irland (9,5 pro 1.000 Einwohner) auf Platz 2 der europäischen Neubau-Tabelle. Seitdem ist hierzulande die Bautätigkeit auf weniger als ein Drittel geschrumpft. In anderen Ländern dagegen kam es über viele Jahre zu einem echten Boom. An der Spitze standen noch vor drei Jahren Irland und Spanien mit über 17 Wohnungen pro 1.000 Einwohner – während Deutschland sich schon seit 2005 am europäischen Tabellenende wiederfindet.

Die im Rahmen von Euroconstruct zusammenarbeitenden Institute (u.a. das Ifo-Institut, München) sehen laut LBS Research für 2010 deutliche Korrekturen bei den Fertigstellungen in Spanien und Irland voraus, und zwar mit einem Einbruch um über 80 Prozent innerhalb von nur zwei Jahren. Die irische Bautätigkeit fällt damit auf den viertletzten Platz zurück. Spanien liegt lediglich zwei Ränge davor, also gleichfalls im unteren Drittel der europäischen Wohnungsbau-Tabelle.

Nach Auskunft der LBS-Immobilienexperten macht vor allem der Blick auf die direkten Nachbarn deutlich, wie ungewöhnlich die hiesige Situation ist. Denn mit Ausnahme Dänemarks und Tschechiens, deren Neubau-Niveau „nur“ 75 Prozent höher liegt als in Deutschland, weisen alle untersuchten Anrainerstaaten eine mehr als doppelt so hohe Neubauintensität auf: von Polen (4,4) über die Niederlande (3,9), Belgien (4,4), Frankreich (4,9) und Österreich (4,7) bis zum neuen Spitzenreiter Schweiz, der mit 6,3 fast auf den vierfachen Wert kommt.

Dieser internationale Vergleich bestätigt deutlich den Befund aus aktuellen Bedarfsprognosen. So hat bereits eine Anfang 2009 durchgeführte LBS-Umfrage unter den führenden deutschen Wohnungsmarktforschungsinstituten eine erhebliche Lücke zwischen Neubau und Bedarf aufgezeigt. Demnach erwartet die Expertenmehrheit auch langfristig – bis zum Jahre 2025 – einen Neubaubedarf in der Größenordnung zwischen 270.000 und 350.000 Wohneinheiten in Deutschland. Auch die aktuelle BBR-Prognose geht in ihren beiden Varianten bis 2015 von einem jährlichen Gesamtbedarf (inkl. neuer Wohnungen im Bestand) in der Größenordnung von 220.000 bis 270.000 Einheiten aus – übrigens mit einem eindeutigen Schwerpunkt im Eigenheimbau.

Immerhin liefert das Ifo-Institut dazu einen ersten Hoffnungsschimmer: Es prognostiziert nämlich, dass sich der Wohnungsneubau in Deutschland von seinem aktuellen Tiefstand erholt und bis 2012 um 28 Prozent zulegt.


Material zum Download

  1. Während die Finanzkrise in vielen Ländern gründliche Veränderungen im Wohnungsneubau zur Folge hatte, verharrt Deutschland im sechsten Jahr in Folge auf dem letzten Tabellenplatz. Der Blick auf die unmittelbaren Nachbarländer zeigt das Ausmaß der vorhandenen Defizite im deutschen Neubau − dort werden bis zu viermal mehr Wohnungen als hierzulande gebaut.

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